Störchenreservoir Seltz Frankreich 2008 - Saisonstart
Das Jahr 2008 hat gerade begonnen und “The Greenest” startet in die 4. Fliegenfischersaison. Rückblickend wurde es Jahr für Jahr schöner, erfolgreicher und leidenschaftlicher. Doch leider wurden wir in unserem Drang, dieses wunderbare Hobby auszuüben, dieses Jahr einige Zeit zurück gehalten. Nachdem der Winter über die Weihnachtsfeiertage härter wurde als wir es uns vorgestellt hatten, mussten wir einige schöne Plätze auf unserer Wintertour streichen. Die ersten beiden Wochen des neuen Jahres verbrachten wir also nicht mit rhythmischen Würfen, atemberaubenden Drills und abrupten Fluchten, sondern mit dem feinmotorischen Handwerk des Fliegenbindens. Neben dieser fast zu ruhigen Übergangsbeschäftigung suchten wir aber auch nach neuen aufregenden und vor allem herausfordernden Gewässern für das kommende Jahr. Neben den Traumflüssen in Chile sind auch Slowenien und Schweden in die nähere Auswahl gekommen. Da wir neben dem Lachs auch noch keiner der berüchtigten Marmoratas unsere Zeit gewidmet haben, sind beide Länder mit ihren natürlichen Flussläufen und beeindruckenden Landschaften sehr reizvolle Ziele.
Da ich ursprünglich vom Saisonstart 2008 berichten wollte, möchte ich nun auch damit anfangen. Was ich vorweg sagen kann, er war anders als wir es uns vorgestellt hatten.
Einer der wenigen Seen in Frankreich der nicht ganz gefroren war und an dem wir letztes Jahr schon einen Traumbeginn hatten, war das Storchenreservoir in Seltz. Als wir um ca. 9 Uhr ankamen, waren schon einige deutsche und französische Fischer am Wasser. Nachdem wir die Scheine gekauft und noch schnell einen wärmenden Kaffee getrunken hatten, richteten wir unsere Sachen. Da der See in Seltz teilweise wirklich tief ist, hatten wir unsere noch unbenutzten Sinkschnüre aufgespult und hofften dadurch einige kapitale Fische überlisten zu können. Voller Tatendrang und mit dem Gefühl von vier Wochen ohne Fliegenfischen, störten uns weder die niedrigen Temperaturen noch das kalte Wasser zwischen den Fingern.
Zu Beginn versuchten wir es am Großen See vom Steg aus. Extra mit 5er TipFlex und 6/7er ausgerüstet um auch größeren Exemplaren Stand halten zu können. Doch weder auf kleine noch auf größere Streamer jeglicher Art konnten wir eine Attacke verursachen. In den Wochen zuvor hatte ich, aus Spaß, einen sehr großen dunkelgrünen etwas komisch wirkenden Streamer gebunden. Eigentlich wollte ich ihn direkt wieder entsorgen um den 2er Haken noch sinnvoll nutzen zu können, doch er wanderte irgendwie in meine Box. Genau diesem wirklich seltsamen Streamer gab ich nach einiger Zeit eine Chance. Wie sollte es anders sein, genau diesem schwamm die erste Forelle nach, drehte aber kurz vor mir ab. Das sollte es in den ersten drei Stunden gewesen sein. Der mysteriöse Streamer wanderte, mit der Absicht in zuhause direkt zu demontieren, in die Box zurück. Uns war kalt und der Magen knurrte auch schon. Also pausierten wir eine Stunde und gönnten uns Speis und Trank.
Nach dem Mittag begannen wir am anderen See. Nachdem einige Fischer schon mehrere Fische landen konnten, fragten wir uns, was wir falsch machten. Nach einigen Minuten stellten wir fest, nichts. Mein kleiner brauner Wooly Bugger hatte eine Forelle zum Anbeißen verleitet. Die Freude hielt nur kurz. Bevor ich den Fang erblicken konnte, war dieser auch schon wieder in den Tiefen des Sees verschwunden. Kurze Zeit darauf konnten wir aber doch noch das erste Exemplar landen. Eine sehr gut genährte und kampfstarke Regenbogenforelle hatte sich wohl ein wenig zu sehr in den kleinen Wooly verliebt. Einige Bisse später, verschlug es uns jedoch wieder zu den tiefen Stellen im Großen See.
Diesmal mit schweren dunklen Streamern, sollte es doch noch ein Happy End für die Sinkschnüre geben. Nach nur wenigen Würfen streckte sich die Schnur und mein erster Fisch zog mir fast die Rute aus der Hand. Nach einem harten Drill konnte ich den kräftigen Burschen vorsichtig vom Haken lösen und wieder in Wasser zurücksetzen. Ein gelungener Auftakt ins Jahr 2008. Was darauf folgte, war sensationell. In den kommenden zwei Stunden fingen wir an die 10 Fische. Dabei ist zu erwähnen, dass der von mir zuvor abgeschriebene Streamer erheblichen Anteil an der großen Ausbeute hatte. Vielleicht wollte er aber auch nur nicht an meiner Rute zum Erfolg führen.
Nach einigen schönen Drills brach die Dunkelheit schneller herein als es uns lieb war. Nachdem wir über einen angeblich schlechten Besatz und ausbleibende Fänge an diesem Gewässer gelesen hatten, mussten wir feststellen, dass hier noch einige Top-Exemplare in den Tiefen des Storchenreservoirs auf Beutezug gehen.
Als Einstieg in ein weiteres Jahr Fliegenfischen, war dieser Tag wirklich wunderbar. Absolut zufrieden und mit der Erinnerung an harte Drills, schnelle Fluchten und schöne Forellen, traten wir die Heimreise in Richtung Schweiz und Deutschland an. Wichtigste Erkenntnis des Tages war, dass wir wieder einmal einen wunderbaren Tag in der Natur hatten, der uns zudem mit einigen Leckerbissen versüßt wurde.